Vermeiden Sie den Begriff „Whistleblower“ in Ihrem Compliance-Programm

Der Begriff „Whistleblower“ wird heute weitläufig verwendet. Er ist in zahlreichen Compliance-Programmen von Unternehmen zu finden und Bestandteil verschiedener Gesetze und Vorschriften. Beispiele hierfür sind das „Haus für Whistleblower“-Gesetz der Niederlande oder die kürzlich verabschiedete „Richtlinie zum Schutz von Personen, die Verstöße gegen das Unionsrecht melden“, besser bekannt als „EU-Richtlinie zum Schutz von Whistleblowern“.

Doch woran denken Sie zuerst, wenn jemand als Whistleblower bezeichnet wird? Vielleicht an die berühmt-berüchtigten Aktivitäten von „Deep Throat“, der kritische Informationen lieferte, die während der Watergate-Affäre zum Rücktritt des damaligen US-Präsidenten Richard Nixon führten – oder an Cinthia Cooper, Sherron Watkins oder Coleen Rowley, deren jeweilige Enthüllungen ihnen 2002 die Auszeichnung „Person des Jahres“ des Time Magazine eintrugen?

Oder denken Sie eher an Edward Snowden oder Julian Assange, deren Aufdeckungen zu einem Leben im Exil führten – in der ständigen Furcht, an die Vereinigten Staaten ausgeliefert zu werden? Obwohl ihre Veröffentlichungen vielfach auf Lob stießen, ist doch unwahrscheinlich, dass Sie in deren Fußstapfen treten möchten.

Durch die infolge von zahlreichen Besatzungen geprägte europäische Kultur haftet dem Begriff „Whistleblower“ ebenfalls eine negative Konnotation an. Haben Sie den Begriff je in einem Wörterbuch nachgeschlagen? Informant, Verräter, Aushorcher, Schwätzer, Unruhestifter und Verleumder sind sicherlich keine Ausdrücke, mit denen Sie in Verbindung gebracht werden möchten.

Warum wird also in den gegenwärtigen Compliance-Programmen der Begriff „Whistleblower“ so weitläufig benutzt? Eine mögliche Erklärung ist, dass er irrtümlich dem Konzept des offenen Ansprechens gleichgesetzt wurde, das Mitarbeiter anhält, ethische Zuwiderhandlungen oder Verstöße gegen den Verhaltenskodex einer Organisation zu melden.

Wenn Sie den Wortlaut Ihrer internen Richtlinien zum Melden von Fehlverhalten festlegen, ist das eine einmalige Gelegenheit. Überlegen Sie sich sehr genau, wie Sie Ihre Mitarbeiter ansprechen möchten, und achten Sie darauf, dass Sie sie nicht verschrecken. Niemandem ist an einem Spitzel gelegen, der sich über seine Kollegen auslässt. Letztendlich geht es darum, eine SpeakUp-Kultur zu schaffen: Eine sichere Umgebung, in denen Ihre Mitarbeiter ihre Bedenken zum Ausdruck bringen können, ohne zum Whistleblower zu werden.

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